Mit einer Gehaltserhöhung verschärft Amazon den Wettbewerb um Arbeitskräfte in der E-Commerce-Logistik. Doch der Konflikt mit der Gewerkschaft Verdi bleibt ungelöst.
Amazon passt ab September 2026 die Löhne für seine Logistikbeschäftigten in Deutschland an. Mit diesem Schritt will der Online-Riese im intensiven Wettbewerb um Arbeitskräfte attraktiv bleiben und positioniert sich deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn.
Der neue Lohnstandard in der Logistik
Die Anpassung der Vergütungsstruktur betrifft das gesamte deutsche Logistiknetzwerk des Unternehmens. Beschäftigte mit einer Betriebszugehörigkeit von zwei Jahren erhalten künftig im Durchschnitt 18,87 Euro brutto pro Stunde. Dies entspricht einer Steigerung von 3,1 Prozent. Der interne Mindeststundenlohn soll zeitgleich auf mindestens 18 Euro angehoben werden. Damit liegt die Vergütung deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn, der im Januar 2026 auf 13,90 Euro angehoben wurde.
Einstiegsgehälter und finanzielle Perspektiven
Auch für Neueinsteiger steigen die Gehälter ab September 2026:
- Der Einstiegslohn liegt bei mindestens 16,22 Euro pro Stunde (im Durchschnitt bei 16,66 Euro).
- Nach zwei Jahren im Unternehmen können Beschäftigte ein durchschnittliches Jahresbruttogehalt von rund 41.600 Euro erreichen.
Da es sich bei den Werten um einen Netzwerkdurchschnitt handelt, variieren die tatsächlichen Löhne je nach Region und Standort.
Zusatzleistungen als strategischer Vorteil
Neben der monetären Vergütung setzt der Konzern auf verschiedene Zusatzleistungen, um Arbeitskräfte zu binden:
- Ein vollständig finanziertes Deutschlandticket für den Nahverkehr
- Eine betriebliche Altersvorsorge
- Ein jährliches Weiterbildungsbudget von bis zu 4.500 Euro
Kritik und der schwelende Tarifkonflikt
Trotz der Gehaltserhöhungen steht Amazon weiterhin in der Kritik. Das Unternehmen legt seine Löhne eigenständig fest und weigert sich konsequent, Tarifverträge mit Gewerkschaften wie Verdi abzuschließen. Während Verdi die Anerkennung der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels fordert, verweist Amazon darauf, dass die gezahlten Löhne bereits am oberen Ende des Branchenüblichen liegen.
Infrastrukturausbau in Deutschland
Der Bedarf an Personal bleibt hoch, da Amazon seine logistische Infrastruktur in Deutschland weiter ausbauen will. Aktuell beschäftigt das Unternehmen hierzulande bereits mehr als 40.000 Festangestellte. Die neuen Lohnstrukturen sollen dabei helfen, die offenen Stellen in den bestehenden und neuen Zentren zügig zu besetzen.