DHL fordert eine gesetzliche Zwei-Personen-Pflicht für Pakete ab 23 Kilogramm. Während die Konkurrenz warnt, fordert Verdi noch strengere Regeln für die E-Commerce-Logistik.
Der Logistikmarktführer DHL fordert eine gesetzlich bindende Zwei-Personen-Pflicht für die Zustellung von Paketen mit einem Gewicht von über 23 Kilogramm. Hintergrund dieser Initiative ist der Gesundheitsschutz der Zusteller. Etwa jede dritte Krankmeldung im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland ist auf Muskel- oder Skeletterkrankungen zurückzuführen. DHL-Vorständin Nikola Hagleitner betont, dass eine solche Regelung für die gesamte Branche gelten müsse, um Wettbewerbsnachteile für das eigene Unternehmen zu verhindern.
Widerstand der Konkurrenz und Argumente des Branchenverbands
Die Konkurrenz, vertreten durch den Branchenverband BPEX (unter anderem Hermes, GLS und DPD), lehnt den Vorschlag strikt ab. Der Verband warnt vor einer Verschärfung des ohnehin akuten Personalmangels sowie vor einer schlechteren CO2-Bilanz durch zusätzliche Fahrten. Zudem plädiert BPEX für den Einsatz professioneller Sackkarren statt einer Zweierbesetzung und verweist darauf, dass schwere Sendungen im B2B-Bereich meist barrierefrei zugestellt werden.
Verdi fordert Grenze von 20 Kilogramm ohne Ausnahmen
Der Gewerkschaft Verdi geht die Forderung von DHL hingegen nicht weit genug. Verdi fordert eine strikte Grenze von 20 Kilogramm ohne jegliche Ausnahmen. Ein Entwurf der ehemaligen Ampel-Koalition sah zwar eine 20-Kilogramm-Regel vor, erlaubte jedoch Ausnahmen beim Einsatz technischer Hilfsmittel.
Probleme mit technischen Hilfsmitteln in der Praxis
Laut DHL-Chefin Hagleitner bieten technische Hilfsmittel wie Sackkarren oder getestete Exoskelette jedoch keinen ausreichenden Schutz. Zudem werden sie von den Beschäftigten häufig aufgrund von starker Hitzeentwicklung und des hohen Eigengewichts abgelehnt.
Fazit
Eine gesetzliche Zwei-Personen-Pflicht würde zwar Beschäftigte schützen, gleichzeitig ist jedoch mit höheren Kosten in der Logistikbranche zu rechnen. Die Mehrkosten für höhere Versandpreise werden die Händler letztendlich an die Verbraucher weitergeben. Ob Kunden diese Preissteigerungen akzeptieren oder ihr Bestellverhalten weiterhin minimieren, bleibt offen.
Jüngste Änderungen bei der Einfuhr von Billig-Paketen aus China zeigen zwar, dass Verbraucher nicht zwangsläufig abschrecken, denn es ist kein deutlicher Rückgang der Nachfrage zu spüren. Seit dem 1. Juli 2026 ist die bisherige Zollbefreiung für Sendungen unter 150 Euro entfallen und durch eine pauschale Einfuhrabgabe ersetzt worden. Ob höhere Versandkosten im deutschen Binnenmarkt hingegen den ohnehin schwachen privaten Konsum zusätzlich belasten würden, ist derzeit nicht eindeutig.
(AN)