Die EU-Kommission verhängt eine Geldbuße von 550 Millionen Euro gegen AliExpress. Wegen schwerer Verstöße gegen den Digital Services Act muss der Online-Marktplatz nun drastisch nachbessern.
Die Europäische Kommission greift im digitalen Handel konsequent durch und verhängt eine historische Geldbuße von 550 Millionen Euro gegen die E-Commerce-Plattform AliExpress. Grund für diese drastische Maßnahme sind schwerwiegende und systematische Verstöße gegen das europäische Gesetz über digitale Dienste, den sogenannten Digital Services Act (DSA).
Die Europäische Kommission statuiert ein Exempel
Mit dieser Rekordstrafe sendet Brüssel ein unmissverständliches Signal an globale Handelsplattformen. AliExpress steht wegen der Vernachlässigung zentraler Pflichten zur Eindämmung systemischer Risiken im Fokus. Insbesondere der unzureichende Umgang mit illegalen, unsicheren und gefälschten Produkten auf der Plattform führte zu dem harten Durchgreifen der Behörden.
Strukturelle Schwächen bei der Moderation
Die Untersuchungen legten erhebliche strukturelle Mängel in der internen Organisation von AliExpress offen. Das Unternehmen hat seine eigenen Kontrollmechanismen offenbar überschätzt. Es fehlte an einer realistischen Einschätzung darüber, ob ausreichend Personal für eine effektive Überprüfung illegaler Angebote zur Verfügung steht.
Zudem offenbarten die plattforminternen Werbe- und Empfehlungssysteme gravierende Defizite: Illegale Produkte wurden über diese Systeme weiterhin aktiv beworben, bevor sie schließlich gelöscht wurden. Auch die Sanktionierung von Händlern, die wiederholt gegen die Richtlinien verstießen, stufte die Kommission als unzureichend ein.
Mildernde Umstände und strikter Zeitplan
Die festgestellten Verstöße zogen sich mindestens bis Mitte 2025 hin. Bei der Festlegung der Strafhöhe wurden jedoch auch mildernde Umstände berücksichtigt, wie etwa die relative Neuheit der gesetzlichen Regulierung durch den DSA. Dennoch bleibt die Strafe von über einer halben Milliarde Euro ein deutlicher Warnschuss.
AliExpress ist nun verpflichtet, bis Oktober 2026 einen detaillierten Maßnahmenplan vorzulegen, um die dokumentierten Mängel vollständig zu beheben. Sollte das Unternehmen dieser Pflicht nicht nachkommen, drohen weitere empfindliche Sanktionen. Die Entscheidung hat damit Signalwirkung für den gesamten Online-Handel im europäischen Raum.