GameStop verdoppelt seine eBay-Anteile auf knapp zehn Prozent. CEO Ryan Cohen sucht nun den direkten Weg über Großaktionäre, um eine Milliardenübernahme im Bereich E-Commerce-Marktplätze zu erzwingen.
Der US-Videospielhändler GameStop hat seine Beteiligung am Online-Marktplatz eBay innerhalb weniger Wochen auf knapp zehn Prozent nahezu verdoppelt. Wie aus einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, besitzt das Unternehmen nun 43,4 Millionen eBay-Aktien. GameStop-CEO Ryan Cohen erhöht damit den Druck im Übernahmekampf drastisch, nachdem der eBay-Verwaltungsrat ein erstes unaufgefordertes Übernahmeangebot im Mai bereits zurückgewiesen hatte.
Das ursprüngliche Angebot bewertete eBay mit rund 56 Milliarden US-Dollar und sah eine Kombination aus Bargeld und Aktien vor. Um seinen Einfluss aktiv geltend zu machen, wandelte GameStop seine bisherige Beteiligung von rund fünf Prozent in stimmberechtigte Stammaktien um, erwarb weitere Anteile über den Markt und übte bestehende Optionspositionen aus. Finanziert wurde dieser strategische Ausbau laut Bericht vollständig aus vorhandenen Eigenmitteln.
Direkter Kurs auf die Großaktionäre
Da die eBay-Führung die Offerte ablehnte, sucht Cohen nun den direkten Kontakt zu wichtigen institutionellen Investoren. Um diese Kampagne professionell zu unterstützen, hat er sein Beraterteam im Hintergrund neu aufgestellt. Ziel ist es, eine breite Unterstützung unter den Aktionären zu mobilisieren und so den Druck auf das eBay-Management zu maximieren. Sollte dieser Vorstoß scheitern, könnte ein direkter Stimmrechtskampf über die Anteilseigner folgen.
Erhebliche Zweifel an der Finanzierbarkeit
Trotz der aggressiven Strategie äußern Marktbeobachter erhebliche Zweifel an der Machbarkeit des Deals. GameStop weist eine deutlich geringere Marktbewertung als das Übernahmeziel eBay auf. Die Transaktion müsste daher zu großen Teilen über tiefgreifende Kapitalmaßnahmen und die Aufnahme von erheblichem Fremdkapital gestützt werden, was ein hohes Risiko birgt.
Zwei gegensätzliche Visionen für die Zukunft
Zudem stehen sich die strategischen Visionen der beiden Konzerne unvereinbar gegenüber. Während Cohen weitreichende Synergien im E-Commerce anstrebt und die Plattformen verschmelzen möchte, verweist eBay auf seine eigene erfolgreiche Neuausrichtung der vergangenen Jahre. Ob sich die Aktionäre von Cohens Plänen überzeugen lassen, bleibt eine der spannendsten Fragen der Branche.