Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisiert die geplante digitale Bonpflicht ab 2028 scharf. Der Verband sieht einen Bruch mit dem Koalitionsvertrag und befürchtet hohe Kosten für Händler.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) legt sich mit der Ampel-Koalition an. Grund ist die geplante digitale Bonpflicht, die ab 2028 kommen soll. Statt des klassischen Papierbelegs sollen Händler dann elektronische Kassenzettel ausstellen müssen. Für den HDE ist das ein klarer Bruch mit dem Koalitionsvertrag, der die Abschaffung der Bonpflicht versprach. Der Verband sieht vor allem immense Kosten auf die Händler zukommen – und fragt sich, ob das wirklich nötig ist.
Vom Papierbon zur digitalen Pflicht
Die aktuelle Bonpflicht gibt es seit 2020. Sie soll Steuerbetrug verhindern, indem Kassenbelege automatisch ausgestellt werden. Doch die Praxis nervt viele: Papierberge, Umweltbelastung, unnötiger Aufwand. Im Koalitionsvertrag steht, dass die Bonpflicht abgeschafft werden soll. Klingt gut, oder? Nun ja, die Realität sieht anders aus. Die Bundesregierung plant, den Papierbeleg durch einen digitalen Beleg zu ersetzen – und macht damit die Pflicht im Grunde nur in anderer Form weiter.
Die neue Regelung soll ab 2028 greifen. Händler müssen dann elektronische Belege ausstellen, die der Kunde per App, E-Mail oder QR-Code erhalten kann. Klingt modern, aber der HDE warnt: Das ist kein Bürokratieabbau, sondern eine neue Belastung. Vor allem kleinere Läden mit älteren Kassensystemen könnten da Probleme kriegen. Die müssen ihre Software nachrüsten oder gleich neue Kassen anschaffen. Kosten, die in Zeiten von Inflation und schwacher Konsumlaune vielen Händlern wehtun.
Lange Bons wie diese sollen laut der aktuellen Regierung bald Geschichte sein
Es hagelt Kritik vom HDE
Der HDE kritisiert, dass die geplante digitale Bonpflicht den Koalitionsvertrag konterkariert. Man habe sich auf eine Abschaffung geeinigt, nicht auf eine technische Umstellung. Der Verband befürchtet einen „digitalen Flickenteppich": Nicht alle Kassen sind kompatibel, nicht alle Händler haben die nötigen Schnittstellen. Die Kosten für Nachrüstung oder Neukauf könnten im dreistelligen Millionenbereich liegen, schätzt der HDE. Und das für eine Regelung, die eigentlich abgeschafft werden sollte.
Der Verband fordert eine komplette Streichung der Bonpflicht, das bedeutet digital und analog. Stattdessen solle man auf bewährte Kontrollmechanismen setzen. Der HDE nimmt mit seinen Forderungen in Kauf, dass für den Staat das Risiko für Steuerausfälle wieder steigt und argumentiert weiter, dass die elektronische Variante mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Gerade der Einzelhandel in den Innenstädten kämpft ohnehin mit sinkenden Umsätzen. Allerdings haben die sinkenden Umsätze wenig mit Bons zu tun.
Was bedeutet das für den Handel?
Trotzdem verunsichert eine digitale Bonpflicht erst einmal die deutschen Händler. Wer heute in eine neue Kasse investiert, muss sicherstellen, dass sie ab 2028 die Anforderungen erfüllt. Das ist besonders für inhabergeführte Läden ein Problem, die oft mit einfachen Systemen arbeiten. Der HDE schätzt, dass zehntausende Betriebe nachrüsten müssten. Ein durchschlagendes Argument des HDE ist zudem der Aspekt des Datenschutzes. Die Zusendung von elektronischen Belegen erfordert auch die Erhebung und Speicherung von sensiblen Daten. Es stellt sich die Frage, wie lange diese gespeichert werden dürfen. Wer haftet bei Datenlecks?
Aus volkswirtschaftlicher Sicht bremst die neue Pflicht die ohnehin schwache Investitionsbereitschaft im deutschen Einzelhandel. Laut Branchenbeobachtungen investieren viele Händler lieber in Digitalisierung von Prozessen, die echten Mehrwert bringen, so z. B. in Online-Shops oder Logistik. Der HDE fordert die Politik auf, die Pläne zu überdenken und sich an den Koalitionsvertrag zu halten.