Wie der Irankrieg die Inflation anheizt und warum einkommensschwache Haushalte in Deutschland überproportional leiden. ifo-Studie zeigt Kaufkraftverluste.
Seit dem Ausbruch des Irankriegs Ende Februar steigen die Preise für Heizöl und Kraftstoffe rasant. Das hat nicht nur Folgen für den Gütertransport, sondern auch für die Erzeugerpreise – und letztlich für jeden Haushalt in Deutschland. Besonders hart trifft es diejenigen, die ohnehin wenig Spielraum im Portemonnaie haben. Eine aktuelle Studie des ifo Instituts zeigt, dass die Konsumausgaben der deutschen Haushalte im Jahr 2026 durch die Krise um rund 16,8 Milliarden Euro steigen werden. Die einkommensschwächsten zehn Prozent der Haushalte verlieren im Schnitt 2,87 Prozent ihres verfügbaren Einkommens, während die reichsten zehn Prozent nur 0,65 Prozent einbüßen. Der Durchschnitt liegt bei 1,15 Prozent. Das sind keine abstrakten Zahlen – das sind reale Kaufkraftverluste, die die Konsumlaune in Deutschland nachhaltig drücken werden.
Die ungleiche Last der Inflation
Die Zahlen sind eindeutig: Der geopolitische Schock aus dem Nahen Osten wirkt wie ein Brennglas auf die ohnehin bestehende Ungleichheit. Während Gutverdiener steigende Preise eher durch Ersparnisse oder flexible Ausgaben abfedern können, bleibt ärmeren Haushalten kaum Luft. ifo-Forscherin Tiphaine Wibault bringt es auf den Punkt: Ärmere Haushalte können einem Preisschock, der Tausende Kilometer entfernt seinen Ursprung hat, schlechter ausweichen. Sie geben einen größeren Teil ihres Budgets für Energie und Lebensmittel aus – genau die Posten, die jetzt überdurchschnittlich teuer werden. Kein Wunder: Wer wenig hat, spürt jeden Cent mehr an der Tankstelle oder der Heizölrechnung sofort.
Warum ärmere Haushalte härter getroffen werden
Besonders betroffen sind laut ifo-Studie auch ältere Menschen. Ihnen fehlt das Lohneinkommen als Puffer, und sie müssen einen überdurchschnittlichen Anteil ihres Budgets für Heiz- und Energiekosten aufwenden. Während Berufstätige zumindest theoretisch auf höhere Lohnforderungen hoffen können, sind Rentner und Pensionäre den Preissteigerungen nahezu schutzlos ausgeliefert. Der Kostenschub wandert durch Transport, Produktion und Warenkorb wie ein Dominoeffekt – und am Ende bleibt bei den Schwächsten am wenigsten hängen. Die Konsumlaune dieser Gruppe dürfte entsprechend gedämpft sein, was sich direkt auf den Einzelhandel und den E-Commerce auswirkt.
Kein Preisdeckel – die Politik ist gefordert
ifo-Experte Andreas Peichl betont, dass es für diesen Schock keinen europäischen Preisdeckel gibt wie in der Energiekrise 2022. Die Last landet fast ungebremst bei den Haushalten – und dort besonders bei denen mit niedrigen Einkommen. In der Analyse vergleichen die Wirtschaftsexperten Konjunkturprognosen vor und nach Kriegsbeginn und übersetzen die Differenz in Kaufkraftverluste für einzelne Haushaltstypen. Ein geopolitischer Schock aus der Ferne landet im deutschen Alltag nicht als Breaking News, sondern als stilles, ziemlich ungleich verteiltes Abo auf Kaufkraftverlust. Die Politik steht vor der Frage, ob und wie sie gegensteuern kann – etwa durch gezielte Entlastungen für die unteren Einkommensgruppen. Bislang fehlen konkrete Maßnahmen, und die Diskussion um die Schuldenbremse macht schnelle Hilfen nicht einfacher.
Was bleibt?
Die Inflation nach dem Irankrieg ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine strukturelle Belastung, die vor allem einkommensschwache Haushalte trifft. Die Konsumlaune in Deutschland wird auf absehbare Zeit gedämpft bleiben – mit Folgen für den gesamten Handel. Händler und E-Commerce-Plattformen müssen sich auf eine veränderte Nachfrage einstellen: weniger Luxus, mehr Preissensibilität, stärkerer Fokus auf Grundbedürfnisse. Ob die Politik rechtzeitig gegensteuert, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich weiter, und der Irankrieg beschleunigt diesen Prozess.