Nach einem Kartellverfahren der EU-Kommission muss Meta WhatsApp wieder für externe KI-Dienste öffnen.
Die Europäische Kommission hat den US-Tech-Konzern Meta im Rahmen eines Kartellverfahrens gezwungen, seinen Messenger-Dienst WhatsApp wieder für Künstliche Intelligenz von Drittanbietern zu öffnen. Dadurch können Nutzer ab sofort wieder direkt über die Chat-App auf Dienste wie ChatGPT zugreifen.
Der plötzliche Rauswurf der Konkurrenz im Januar
Am 15. Januar 2026 änderte Meta die Nutzungsbedingungen seiner Business-Schnittstelle grundlegend. Externe KI-Dienste wie ChatGPT von OpenAI, Microsoft Copilot und Perplexity wurden von der Plattform ausgesperrt. Ziel dieser Maßnahme war es, den hauseigenen Assistenten Meta AI als exklusive Lösung auf WhatsApp zu etablieren und die Konkurrenz effektiv zu blockieren.
Die Europäische Kommission greift mit harten Bandagen ein
Die Brüsseler Wettbewerbshüter reagierten im Juni 2026 mit dem Erlass einstweiliger Maßnahmen. Die EU-Kommission sah in dem Vorgehen von Meta den Versuch, ein Monopol bei integrierten KI-Diensten aufzubauen. Um den fairen Wettbewerb im europäischen Raum zu schützen, ordnete die Behörde die sofortige Wiederöffnung der Schnittstellen an. Bei einer dauerhaften Weigerung drohen dem Konzern empfindliche Strafen von bis zu zehn Prozent seines weltweiten Jahresumsatzes.
So funktioniert die Rückkehr von ChatGPT auf WhatsApp
Durch den regulatorischen Druck ist ChatGPT ab sofort wieder über den Messenger erreichbar. Nutzer können den Chatbot kontaktieren, indem sie die Telefonnummer +1-800-242-8478 in ihren Kontakten abspeichern. Über diesen Kanal lassen sich Textnachrichten, Sprachnachrichten und Bilder austauschen sowie neue Inhalte generieren. Die Freischaltung erfolgt schrittweise und orientiert sich an den jeweiligen Ländervorwahlen der Nutzer.
Grenzen und Vorteile der Account-Verknüpfung
Für die Nutzung des Dienstes ist kein separates ChatGPT-Konto erforderlich. Wer jedoch komplexere Anfragen stellt oder den Bot intensiv nutzt, stößt schnell an Limits. Eine Verknüpfung mit einem bestehenden OpenAI-Account erhöht diese Nutzungsgrenzen deutlich. Dies erleichtert auch die Synchronisation von Chatverläufen über verschiedene Geräte hinweg.
Datenschutz im Fokus: OpenAI warnt vor sensiblen Daten
Die Nutzung von KI-Diensten über Messenger-Apps bringt datenschutzrechtliche Herausforderungen mit sich. OpenAI weist explizit darauf hin, dass alle Konversationen gespeichert und direkt mit der Mobilfunknummer des Nutzers verknüpft werden. Zur Vermeidung von Missbrauch und zur Einhaltung von Sicherheitsrichtlinien werden die Inhalte stichprobenartig überprüft. Nutzer sollten daher Abstand davon nehmen, sensible Informationen wie Passwörter, Finanzdaten oder Gesundheitsdaten im Chat zu teilen.
Meta kündigt rechtliche Schritte gegen Brüssel an
Der US-Konzern Meta will die Entscheidung der europäischen Behörden nicht kampflos hinnehmen. Das Unternehmen hat angekündigt, rechtlich gegen die einstweiligen Maßnahmen der EU-Kommission vorzugehen. Bis zu einem endgültigen Urteil im Hauptsacheverfahren des Kartellstreits bleibt die erzwungene Öffnung für Drittanbieter jedoch bindend.
Die Bedeutung für den digitalen Handel und Zahlungsdienste
Für den E-Commerce und moderne Zahlungsdienstleister hat diese Entscheidung weitreichende Folgen. Viele Händler nutzen WhatsApp als direkten Kanal für den Kundenservice und die Abwicklung von Bestellungen. Die Integration von hochentwickelten KI-Systemen wie ChatGPT ermöglicht eine automatisierte Beratung und vereinfacht Bezahlprozesse direkt im Chatverlauf. Durch die erzwungene Offenheit bleibt der Markt für diverse Zahlungsdienstleister und Kundenservice-Tools offen und wettbewerbsfähig.
Häufige Fragen
Wie kann ich ChatGPT auf WhatsApp nutzen?
Sie müssen lediglich die Telefonnummer +1-800-242-8478 in Ihrem Smartphone speichern und eine Nachricht über WhatsApp an diesen Kontakt senden.
Benötige ich ein kostenpflichtiges ChatGPT-Konto?
Nein, die Nutzung ist grundsätzlich ohne eigenen Account möglich. Eine Verknüpfung mit einem bestehenden OpenAI-Konto hebt jedoch die täglichen Nutzungslimits an.
Warum hat die EU-Kommission eingegriffen?
Die Kommission wollte verhindern, dass Meta seine Marktmacht nutzt, um ein Monopol für eigene KI-Dienste auf WhatsApp aufzubauen und Wettbewerber auszuschließen.
Was bleibt?
Die erzwungene Rückkehr von ChatGPT auf WhatsApp zeigt die Entschlossenheit der europäischen Wettbewerbshüter im Kampf gegen Tech-Monopole. Verbraucher und Händler können sich über mehr Wahlfreiheit freuen. Ob diese Offenheit von Dauer ist, wird der anstehende Rechtsstreit zwischen Meta und der EU-Kommission zeigen.
(RS)